Bundesweite Aktion: Zoll kontrolliert Arbeitsbedingungen bei Amazon-Zustellern

Der Zoll führt eine bundesweite Kontrolle von Arbeitsbedingungen von Paketzustellern durch. Im Fokus der Untersuchungen steht dabei offenbar Amazon. 

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Seit dem frühen Freitagmorgen, dem 16. Juli läuft die bundesweite Aktion, an der mehrere tausend Beamtinnen und Beamte der „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ (FKS) des Zolls beteiligt sind. Wie die Tagesschau berichtet, seien alle 41 Hauptzollämter in ganz Deutschland an der Aktion beteiligt. 

Die Kontrolle der Arbeitsbedingungen richtet sich Informationen des BR zufolge offenbar ausschließlich gegen Amazon und die Subunternehmen des Online-Konzerns, bei der Generalzolldirektion sei dagegen lediglich von einer „Schwerpunktprüfung im Speditions-, Transport- und Logistikgewerbe“ die Rede. Einzelne Unternehmen nannte die Behörde nicht.

Darum geht es bei der bundesweiten Kontrolle

Ein Schwerpunkt der Kontrolle liege auf der Einhaltung des Mindestlohns, der aktuell bei 9,60 Euro pro Stunde liegt. „Die Paketbranche arbeitet häufig mit Nachunternehmern. Hier konnte die FKS vermehrt Verstöße gegen die Pflicht zur Zahlung des Mindestlohns feststellen“, erklärte eine Sprecherin der Generalzolldirektion gegenüber dem Bayrischen Rundfunk. Zudem untersuche der Zoll Verstöße gegen sozialversicherungsrechtliche Pflichten, speziell die Pflicht zur korrekten Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen durch Nachunternehmer, wie die Sprecherin weiter ausführte.

Gewerkschaften kritisieren Arbeitsbedingungen bereits länger

Die Arbeitsbedingungen der Paketzusteller werden von Gewerkschaften schon seit Längerem kritisiert. David Merck, Fachbereichsleiter Logistik bei der Gewerkschaft Verdi, monierte dabei nicht den monatlichen Lohn, den die Fahrer erhalten, sondern die Arbeitszeit: „Die Fahrer arbeiten nicht selten bis zur gesetzlichen Höchstarbeitszeit von 60 Stunden pro Woche – und mehr“, so Merck laut Tagesschau. Subunternehmen von Amazon fielen dabei besonders auf.

Die Gewerkschaft fordert den Online-Händler dazu auf, auf Subunternehmen gänzlich zu verzichten und die Fahrer direkt anzustellen. Werkverträge in der Logistik müssten ein Ende haben, so die Forderung von Verdi. 

„Wir arbeiten mit einer Vielzahl an Lieferpartner:innen zusammen, um Pakete zu den Kund:innen zu bringen“, erklärt Amazon auf Anfrage von Amazon Watchblog. „Diese Unternehmen sind verpflichtet, sich an die geltenden Gesetze und den Verhaltenskodex für Amazon-Lieferpartner:innen zu halten, der Schwerpunkt auf faire Löhne, Sozialleistungen, angemessene Arbeitszeiten und Vergütung legt.“

In Österreich fanden Kontrolleure 2020 bei einer Razzia der Paketdienstleister in einem Amazon-Verteilzentrum allein rund 1.000 Verstöße

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Geschrieben von Michael Pohlgeers



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