Kameras im Führerhaus: Amazon will eigene Lieferanten stärker überwachen

Neue Kamerasysteme in Amazons Lieferwagen sollen mehr Sicherheit geben, erhöhen allerdings auch das Risiko der massiven Mitarbeiterüberwachung.

Mikel Dabbah / Shutterstock.com

In den USA soll Amazon die Fahrzeuge seiner Paketboten aktuell mit hochmodernen Überwachungskameras ausstatten. Diese stammen von der Firma Netradyne und besitzen insgesamt vier HD-Objektive, die es ermöglichen, in alle vier Richtungen zu filmen. Die Systeme werden außerdem von künstlicher Intelligenz unterstützt – Ziel dabei sei es, die Fahrer zu ihrer eigenen Sicherheit zu überwachen und in potenziell gefährlichen Situationen quasi Alarm zu schlagen.

Kommt es zu einer möglichen Gefahrensituation, soll eine Stimme den Zusteller warnen. Als kritische Situationen gelten etwa Fälle, in denen ein Fahrer zu schnell an eine Kreuzung heranfährt und ein Stoppschild übersieht, zu wenig Abstand zu seinem Vordermann hält oder unaufmerksam wirkt. Eine Studie von ProPublica von 2020 hatte die Bedingungen für Amazon-Lieferanten kritisiert: Der zeitliche Druck hätte zu einer Menge Unfälle und sogar Toten geführt.

Zugriff auf Überwachungsvideos ist nur autorisierten Personen vorbehalten

Mit Blick auf die Verarbeitung und Verwendung der Daten heißt es bei Heise Online: „Laut Amazon wird kein Audio aufgezeichnet und die Aufnahmen werden nicht live übertragen.“ Ein automatisches Hochladen der Aufzeichnungen durch das Netradyne-Driveri-System erfolge erst im Rahmen kritischer Situationen, wenn also eine Vollbremsung erfolgt oder aber ein scharfe Wendung des Fahrzeugs vollführt wird.

Darüber hinaus soll der Paketbote jedoch auch selbst die Möglichkeit haben, einen Upload der Videos auszulösen – zum Beispiel, wenn sich ein Unbekannter „dem Fahrzeug nähert oder wenn dokumentiert werden soll, dass die Lieferadresse nicht erreichbar ist“, heißt es weiter. Um den Datenschutz zu stärken, dürften außerdem nur wenige Personen mit einer speziellen Autorisierung die Videos einsehen.

Amazon verweist auf zahlreiche Vorteile der Systeme

Die neuen Systeme in den Zustellfahrzeugen hätten laut Amazon gleich mehrere Vorteile: So verweise der Konzern beispielsweise auf Studien, die besagen, dass bei Einsatz interner Warnsysteme die Zahl an Unfällen um rund ein Drittel zurückgeht. Auch auf das Verhalten der Fahrer würden sich entsprechende Überwachungssysteme positiv auswirken, sodass die Zahl der Unfälle nochmals reduziert werde.

Amazon macht laut Heise auch in nicht öffentlich gelisteten Videos auf weitere Vorteile der Videoüberwachung aufmerksam. So könnten Fahrer auf diesem Weg beispielsweise belegen, dass sie im Fall von Unfällen keine Schuld tragen.

Sorge um totale Überwachung und steigenden Druck für Fahrer

Während Amazon also die potenziellen Vorteile der neuen Überwachungssysteme lobpreist, dürften Datenschützer und Mitarbeitervertreter die Neuerungen eher kritisch betrachten. Erste Rückmeldungen von Fahrern belegen demnach deren Sorgen über einen massiven Eingriff in ihren Arbeitsalltag. Auch der Druck, dem die Paketboten täglich ausgesetzt sind, würde durch eine umfängliche Überwachung weiter steigen.

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Geschrieben von Tina Plewinski



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