Lohndiebstahl: Amazon muss 6,4 Mio US-Dollar Strafe zahlen

Der kalifornische Arbeitsbeauftragte verhängt wegen Lohndiebstahls eine Strafe von 6,4 Mio. US-Dollar über Amazon und ein Sub-Unternehmen: Die Lieferanten konnten ohne Überstunden und Verzicht auf Pausen die vorgegebenen Ziele nicht schaffen.

© Amazon

Amazon verspricht seinen Kunden eine schnelle Ankunft ihrer Pakete – dieser Servicefokus geht aber immer wieder auch zu Lasten der Lieferfahrer, die in verschiedenen Modellen bei oder für Amazon arbeiten, wie sich jetzt nach einer Untersuchung zeigt. Der kalifornische Arbeitsbeauftragte verurteilte Amazon.com Services LLC und das Sub-Unternehmen Green Messengers zu einer Strafe von 6,4 Millionen US-Dollar – wegen Lohndiebstahls, wie die US-Behörde bekannt gab.

Amazon-Fahrer: Keine Pausen, dafür schlecht bezahlte Überstunden 

Die Aufsichtsbehörde hat bereits im Juni 2019 eine Untersuchung eingeleitet und dabei den Zeitraum von April 2018 bis Januar 2020 unter die Lupe genommen. Um alle Lieferungen in der vorgegebenen 10-Stunden-Schichten zu schaffen, mussten die Fahrer demnach auf Pausen und Ruhezeiten verzichten sowie Überstunden machen – für die sie dann nicht mal angemessen bezahlt wurden. Insgesamt waren 718 Fahrer des Amazon-Sub-Unternehmens Green Messengers davon betroffen.

Darum ist Amazon für den Lohndiebstahl verantwortlich

„Das Auslagern von Dienstleistungen entbindet Arbeitgeber nicht von ihrer Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer rechtmäßig entlohnt werden. In diesem Fall sind sowohl Green Messengers als auch Amazon.com Services für den Lohndiebstahl verantwortlich, den diese Arbeiter erlitten haben“, erklärte die kalifornische Arbeitskommissarin Lilia García-Brower. 

Insgesamt sollen Amazon und Green Messengers 6.454.110 US-Dollar zahlen, wovon 5,3 Mio. US-Dollar direkt an die Arbeiter fließen sollen, der Rest sind Strafgebühren.

Was sagt Amazon zu den Vorwürfen?

Die Amazon-Sprecherin Leah Seay hat Amazon Watchblog dazu in einem Statement erklärt: „Die kalifornische Arbeitsbehörde ermittelt gegen ein unabhängiges Unternehmen, mit dem wir früher zusammengearbeitet haben. Wir waren uns der Untersuchung nicht bewusst und gehen gegen die Vorladung in Berufung.“ Auch Green Messengers habe bereits Berufung eingelegt, heißt es. Nun kommt es zu einer Anhörung.

Erst im Februar kam es zu einem ähnlichen Fall: Amazon muss den Fahrern seines Lieferdienstes Flex vorenthaltene Trinkgelder nachzahlen – in Höhe von 62 Mio. US-Dollar. Auch in Europa gibt es derartige Probleme: Bei einer Razzia in einem österreichischen Amazon-Verteilzentrum fanden Ermittler bei Sub-Unternehmen rund 1.000 Verstöße.

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Geschrieben von Markus Gärtner



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