Steuern, Jobs, Image: So sehen die deutschen Amazon-Standorte den Online-Riesen

Amazon ist mit seinen Logistikzentren ein wichtiger Arbeitgeber, Steuerzahler und „Partner auf Augenhöhe“ an deutschen Standorten, wie unsere Umfrage zeigt. 

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Amazon ist nicht nur ein Online-Marktplatz, sondern in Deutschland auch Arbeitgeber, Steuerzahler und Unternehmen vor Ort – nämlich in allen Städten und Gemeinden, in denen Amazon seine Logistik-, Sortier- und Verteilzentren betreibt, um die bestellte Ware vom Hersteller und Händler schließlich zum Endkunden zu bringen.

An diesen 15 Orten stehen große Amazon-Logistikzentren: Mönchengladbach, Leipzig, Dortmund, Pforzheim, Koblenz, Bad Hersfeld (2), Graben, Winsen, Werne, Rheinberg, Brieselang, Frankenthal, Sülzetal und Oelde. Amazons neues Logistikzentrum in Achim bei Bremen soll in diesem Sommer noch starten.

Wir haben in diesen Kommunen nachgefragt: Wie wird Amazon als Gewerbesteuer-Zahler und Arbeitgeber eingeschätzt? Wie sind die Erfahrungen der Bürger mit dem oft kritisierten Unternehmen? Was bedeutet es für Verkehr und Umwelt, wenn Amazon als Logistiker in eine Stadt kommt? Von den mehrfach angeschriebenen Standorten haben Verantwortliche aus Mönchengladbach, Werne, Winsen an der Luhe, Frankenthal und Brieselang geantwortet – also ein Drittel aller Amazon-Städte.

Amazons Image an den Standorten: Unmut, Kritik – aber auch „Partner auf Augenhöhe“

In vielen Orten herrscht Aufruhr, wenn bekannt wird, dass sich Amazon ansiedeln will – so auch in Frankenthal (nordwestlich von Ludwigshafen). „Zunächst gab es viel Unmut, da der Online-Handel als größter Konkurrent des innerstädtischen Einzelhandels gesehen wird und hier erhebliche Folgen erwartet wurden. Vor allem der stationäre Einzelhandel war hier zunächst nicht begeistert“, sagt Xenia Schandin.

Am Standort Winsen (südlich von Hamburg) gingen die Meinungen über Amazon auseinander, wie Theodor Peters erklärt: „Kritik wird hier im Wesentlichen nicht standortbezogen geäußert, sondern sie bezieht sich zumeist allgemein auf die Unternehmenspolitik des Konzerns und hat ihren Ursprung nicht hier vor Ort.“ 

„Es macht Spaß, Amazon vor Ort zu haben.“

Anders in Brieselang (westlich von Berlin) – dort werde Amazon sehr positiv wahrgenommen, sagt Bürgermeister Ralf Heimann. „Da es keine negativen Einflüsse durch Lärm, Staus oder klagende Arbeitnehmer gibt, sich Amazon aber im Ort stark sozial engagiert, z. B. bei der Brieselanger Tafel, hat Amazon ein sehr positives Image.“ Amazon stelle sich in Brieselang als Partner auf Augenhöhe sowohl für die Bürger, als auch für die Verwaltung der Gemeinde dar. „Es macht Spaß, Amazon vor Ort zu haben. Dies kann man nicht unbedingt auf alle deutschen Gewerbetreibenden im Ort übertragen“, offenbart der Politiker.

„Amazon hat von Beginn an sehr präsente Öffentlichkeitsarbeit betrieben, um sich als ein Bestandteil des Wirtschaftslebens vor Ort einzubringen. Dazu gehörten und gehören Tage der offenen Tür, digitale Besuchstouren, Sponsoring, Beteiligung an städtischen Veranstaltungen usw.“, sagt Xenia Schandin aus Frankenthal.

In Mönchengladbach gebe es einen fortlaufenden Dialogprozess gemeinsam mit Bürgervertretung/Politik/Verwaltung/Wirtschaftsförderung, um etwaige Themen mit Amazon zu besprechen, so Daniel Dieker von der Wirtschaftsförderung der Stadt.

Wirtschaft: Wie viel Steuern zahlt Amazon in deutschen Städten?

Amazons Steuertricks als weltweites Unternehmen sind bekannt und stehen immer wieder in der Kritik. Wie wichtig sind Amazons Gewerbesteuern aber für die Kommunen und was bedeutet eine Ansiedlung für die Wirtschaft einer Gemeinde? Denn nicht immer ist trotz Steuern das Gesamtergebnis positiv, wie etwa der Bürgermeister von Bad Oldesloe befürchtet. Dort baut Amazon gerade ein Verteilzentrum.

Bei den befragten Logistik-Standorten ist die Meinungen aber einhellig: Amazon ist wichtig und wertvoll. Die Zahlen des Unternehmens unterliegen natürlich dem Steuergeheimnis. 

„Amazon überweist Jahr für Jahr stattliche Beträge“

„Amazon gehört in der Stadt zu den größten Gewerbesteuer-Zahlern und überweist Jahr für Jahr stattliche Beträge“, berichtet Theo Peters (Winsen). Das gilt auch für den Standort Frankenthal. Auch in Werne (NRW) sieht man durch durch die hohe Beschäftigtenzahl eine „hohe wirtschaftliche Bedeutung“, wie Alexander Meinhardt erläutert. „Vor diesem Hintergrund lässt sich seitens der Stadt Werne ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis konstatieren.“ Daniel Dieker (Mönchengladbach) schätzt das gesamtwirtschaftlichen Ergebnis für die Stadt ebenfalls positiv.

„Zwar ist ein MEHR noch immer wünschenswert, wir können uns aber über die Gewerbesteuereinnahmen von Amazon nicht beschweren“, ergänzt Brieselangs Bürgermeister Ralf Heimann.

Hinzu kommt, dass zumindest die befragten Orte wenig oder gar nicht in lokale Infrastruktur investieren müssen, da Amazon oftmals in leerstehende Lagerhallen oder Gewerbegebiete einzieht.

Amazon-Arbeiter im Lager
© Amazon

So ist Amazon als Arbeitgeber in der Region

Über die Bedingungen in Amazons Logistikzentren – u.a. Löhne, Abläufe, Sicherheit – wird stets in allen Ländern, in denen Amazon Lager betreibt, diskutiert. Auch in Frankenthal sei das das zu erwartende Lohnniveau der Beschäftigten thematisiert worden, so Xenia Schandin. Jetzt seien aber viele froh, dass in Frankenthal zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen worden sind und Personen einen Arbeitsplatz gefunden haben. Insgesamt entstanden in Frankenthal rund 2.500 neue Arbeitsplätze.

Alle Amazon-Standorte verweisen auf Amazons herausragende Bedeutung als regionaler Arbeitgeber. In Mönchengladbach sei Amazon ein „bedeutsamer Arbeitgeber“, dort sind 2.000 bis 2.300 Menschen angestellt. „Amazon ist ein attraktiver Großarbeitgeber in der Region, insbesondere zu saisonalen Zeiten“, so Brieselangs Bürgermeister. In Werne ist der Online-Riese mit knapp 2.000 direkten und dauerhaften Arbeitsplätzen sogar der größte Arbeitgeber in der Stadt. „Das Verhältnis von Arbeitsplätzen zur Fläche als ein wesentliches Kriterium für Unternehmensansiedlungen in unseren Gewerbegebieten ist bei Amazon überdurchschnittlich“, erklärt Alexander Meinhardt.

Amazon besonders wichtig für Menschen mit geringer Qualifikation

Fast alle Befragten betonen auch Amazons wichtige Rolle als Arbeitgeber gerade für Langzeit-Arbeitslose, Gering-Qualifizierte oder andere Gruppen wie Studenten und Schüler. „Amazon ist in Winsen einer der größten Arbeitgeber am Ort und sorgt bei uns mit seinem breiten Arbeitsplatzangebot für eine unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote. Insbesondere die Beschäftigungsmöglichkeiten für geringqualifizierte Kräfte machen Amazon zu einem wichtigen Arbeitgeber“, weist Theo Peters hin. Wie man sich bei Amazon bewerben kann und worauf man achten sollte, erfährt man in unserem Ratgeber.

Amazon-Städte: Kaum Probleme bei Verkehr und Umwelt  

Ein Logistik-Zentrum bedeutet in der Regel: Viele Lieferfahrzeuge – und damit jede Menge Verkehr und Lärm. Teils gibt es auch bei geplanten Standorten Umwelt-Probleme im Vorfeld – etwa wegen den befürchteten Auswirkungen auf die Natur, wie aktuell etwa beim Baustopp in Echzell.

An den befragten Standorten gibt es jedoch keine größeren Probleme. „An dem Ziel- und Quellverkehr wird gelegentlich Anstoß genommen, was aber nicht firmenspezifisch ist“, sagt Theo Peters. „Im Umfeld des Winsener Bahnhofs ergeben sich jetzt in Pandemie-Zeiten besondere Herausforderungen bei der Einhaltung der Corona-Vorgaben und der Verkehrsabwicklung mit den unterschiedlichen Gruppen von Pendlerinnen und Pendlern. Aber auch insoweit kooperiert Amazon und engagiert sich für gute Lösungen.“ In Frankenthal wurden zunächst Verkehrsproblemen befürchtet, doch bis heute gebe es keine größeren Probleme.

In Werne kam es durch die Ansiedlung wegen der Parksituation zu einem größeren Verkehrsproblem am vormaligen Standort im benachbarten Gewerbegebiet. „Um zu vermeiden, dass in Zukunft ein derartiges Problem nochmals auftritt, hat die Stadt Werne eine anliegende Gewerbefläche an Amazon vermarktet, auf der aktuell ein neuer Parkplatz für die Lkw entsteht“, erklärt Alexander Meinhardt.

Amazon als „guter Partner in Sachen Umwelt und Klima“

In Brieselang ist die Verkehrsanbindung des Gewerbezentrums räumlich nah an die Autobahn und Bundesstraße B 5 Richtung Berlin angebunden. „Damit ergeben sich für die Gemeinde keine störenden Einflüsse auf Verkehr, Lärm oder Umwelt. Da Amazon nachhaltig in die eigene Infrastruktur investiert, z. B. die Bahnanbindung verbessern will, gehen wir davon aus, einen guten Partner in Sachen Umwelt und Klima zu haben“, findet Bürgermeister Ralf Heimann.

Zusammenfassung: Amazons Rolle als Arbeitgeber und Steuerzahler vor Ort

Basierend auf den Antworten lässt sich zusammenfassen, dass Amazon in den Gemeinden mit einem Logistikzentrum sowohl ein wichtiger Steuerzahler als auch unverzichtbarer Arbeitgeber ist. Das Unternehmen bietet dort vor allem Jobs für ansonsten auf dem ersten Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen. Große oder langfristige Probleme wegen des Lieferverkehrs oder anderer Umwelt-Belastungen gibt es hingegen nicht. Trotz teils anfänglicher Befürchtungen und Kritik hat Amazon in den befragten Orten ein überwiegend positives Image. Theo Peters’ Resümee für den Standort Winsen an der Luhe, das vielleicht stellvertretend für alle gelten könnte: „Die Entscheidung, Amazon hier anzusiedeln, war auch aus heutiger Sicht richtig und gut.“

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Geschrieben von Markus Gärtner



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